Am 28.4. prügelte ein Fürther Neonazi einen organisierten Antifaschisten mit Migrationshintergrund ins Koma. Die angelaufene Solidarität ist beeindruckend, das Verhalten der Polizei dagegen skandalös.
Ende April erreichten die Gewalttätigkeiten von neonazistischen Mitgliedern des „Freien Netz Süd“ in Nürnberg und Fürth einen neuen Höhepunkt. Nachdem es über Monate hinweg immer wieder zu Übergriffen, Sachbeschädigungen und Angriffen durch die Faschisten gekommen war, prügelte der vorbestrafte Fürther Neonazis, Peter R. am 28.4. um die Mittagszeit an einer der belebtesten U-Bahn Haltestellen derart auf einen 17,-jährigen Antifaschisten ein, dass dieser zweimal wiederbelebt werden musste. Über eine Woche lag der Antifaschist daraufhin im Koma.
Die Fürther Polizei hatte indes noch am 21.4. 2010 von einer handvoll Rechten gesprochen, die man beobachte und unter Kontrolle habe. Auch nach der Tat war das Verhalten der Polizei in der Region mehrmals Anlass für wütende Proteste. So wollte sie bis zum Morgen des 1.Mai nicht bestätigen, dass es sich bei dem Täter, der sich bereits einen Tag später selbst der Polizei stellte, um einen Rechtsextremen handelt.
Selbst nachdem massiver öffentlicher Druck dazu führte, dass die Polizei dies eingestand, war ihr Bemühen, Angreifer und Angegriffenen auf eine Stufe zu stellen, offensichtlich.
In der Presseerklärung hieß es: „Es liegen Erkenntnisse vor, dass sich der 17-Jährige in der linksextremistischen Szene aufhält. Der 24-Jährige kann nach polizeilichen Erkenntnissen der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden.“ Auch der Fürther Polizeichef schlug in diese Kerbe, als es sagte: „Man kennt sich, es schaukelt sich hoch und eskaliert eben“.
Während die Polizei durch beinahe jede Handlung versucht, den Vorfall zu bagatellisieren, den Angegriffenen selbst in die Verantwortung zu nehmen und von ihrem eigenen Versagen abzulenken, herrscht in der linken Szene und weit darüber hinaus tiefe Betroffenheit und Wut. In großer Einmütigkeit trat ein „Solikomitee gegen Rechts“ zusammen, das weitere Aktivitäten koordiniert.
Am Samstag, den 08.05.2010 gingen, nach nur knapp einer Woche Mobilisierungszeit, 1.500 Menschen in Nürnberg gegen rechte Gewalt auf die Straße. Aufgerufen dazu hatte das eigens dafür gegründete „Soli - Komitee gegen Rechts“, das sich aus verschiedenen antifaschistischen Gruppen, Gewerkschaften, der Linken Liste, türkisch-kurdischen Organisationen und Einzelpersonen zusammen setzt.
Gestartet wurde in der Nürnberger Südstadt, begleitet von massiven Vorkontrollen der Polizei.
In mehreren Redebeiträgen drückten die einzelnen Gruppen und Organisationen ihre Solidarität mit dem Opfer und dessen Familie aus. Gleichzeitig kritisierte man das Verhalten der Polizei, die seit Monaten faschistische Übergriffe auf Migranten und Antifaschisten verharmlost und untätig bleibt.
Während der Angegriffene sich langsam auf dem Weg der Besserung befindet, arbeitet das Komitee weiter.
Als nächste Aktion wird für den 29.5.2010 zu einer süddeutschlandweiten Großdemonstration nach Nürnberg und Fürth mobilisiert.
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