
Alle Jahre wieder am 13./14. Februar treffen sich Alt -und Neonazis, sowie Ewiggestrige jeder Couleur zum kollektiven Geschichtsrevisionismus. Dieses Jahr waren es so viele wie noch nie, fast 6.000 marschierten durch die Dresdner Innenstadt. Die Argumentation der Nazis knüpft dabei nahtlos an die nazistische Propaganda von Joseph Goebbels aus dem 3. Reich an. Da wird mal eine Zahl von 250.000 Todesopfern herbei phantasiert (in Wirklichkeit ca. 18.000) und die Bombardierungen auf eine Stufe mit dem Holocaust gestellt um diesen zu relativieren und rechtfertigen.
Dieses Spektakel galt es auch dieses Jahr zu verhindern, dazu hatten sich im Vorfeld zwei antifaschistische Bündnisse gebildet. Das massentaugliche „No Pasaran“-Bündnis und ein „antideutsches“ Bündnis namens „Keine Versöhnung mit Deutschland“. Letzteres sorgte am Freitagabend für den Auftakt der Antifa-Aktionen. Während ca. 1000 Nazis einen Fackelmarsch durch die Stadt unternahmen und CDU-Funktionäre zusammen mit Altnazis Kränze an Gedenkstätten niederlegten, veranstalteten die Pro-Israel und Pro-USA-eingestellten Teile des Antifaspektrums ein Straßenkonzert mit ca. 700 TeilnehmerInnen.
Zur Großdemo von „No Pasaran“ sammelten sich am Samstag insgesamt um die 4.000 TeilnehmerInnen, mit dem erklärten Ziel, den Naziaufmarsch verhindern. Im Vorfeld wurden den Antifaschisten dabei wie üblich Steine in den Weg gelegt. Die Stadt verlegte den Treffpunkt vom Dresdner Hauptbahnhof auf die andere Seite der Elbe in die Dresdener Neustadt. Der Weg für die Nazis war somit vorerst frei. Gegen 12:30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug dann in Bewegung. Kaum über die Brücke in der Altstadt angekommen wurden die Antifas von mehreren Hundertschaften vermummter USK-Einheiten aus Bayern empfangen. Kurze Zeit später erfolgte ein erster Ausbruchsversuch aus dem Wanderkessel, dieser konnte aber durch das massive Polizeiaufgebot verhindert werden. In den Seitenstraßen entlang wurde schweres Gerät aufgefahren, vom Wasserwerfer bis zum gepanzerten Räumfahrzeug hatten die Bullen alles am Start. Im weiteren Verlauf wurde der Demozug mehrmals von den Bullen angegriffen und immer wieder gestoppt.
Kurz vor dem Ziel Theaterplatz, wo die zentrale Kundgebung des bürgerlichen „Geh Denken“-Bündnisses stattfand, wurde der Zug endgültig und ohne Grund angehalten. Da die Demonstrationsroute angemeldet und genehmigt war, wurde nun versucht die Demo auch bis zu Ihrem Ziel weiter durchzuführen. Auf den Versuch die Bullenketten bei Seite zu schieben, reagierten die Bullen mit äußerster Brutalität. Es wurde Pfefferspray und Tränengas eingesetzt und die Bullen knüppelten ohne Rücksicht auf Verluste in die Menschenmenge. Mehrere Demonstranten gingen dabei verletzt zu Boden. Dann wurde der Platz durch die Bullen geräumt, eine Beendigung der Demonstration war nicht mehr möglich und die Demonstrationsteilnehmer konnten nur noch in Kleingruppen zur Abschlusskundgebung gelangen. Dort zeigten währendessen SPD, Grüne, Gewerkschaften und co., wie man, laut Wolfgang Tiefensee, »vor macht, wie man gegen Neonazis kämpfen kann«. Oder auch nicht, denn an diesem 14. Februar 2009 konnten die Nazis ohne jegliche Störung durch Dresden marschieren. Das Ziel des „Geh Denken“-Bündnisses, den Naziaufmarsch „zu verhindern“ erwies sich als reines Lippenbekenntnis. Doch leider gelang es auch dem „No pasaran“-Bündnis nicht, die Nazis zu stoppen. Ein paar kreative Einlagen stellten an diesem Tag nur einige umgeworfene oder beschädigte Bullen-Autos dar.
Dresden 2010 kann nur besser werden, aber nicht von alleine. Ziel muss es sein dass auch die Gewerkschaften und andere Gruppen wirklich versuchen den Naziaufmarsch zu verhindern. Also, nächstes Jahr alle nach Dresden! Den Naziaufmarsch verhindern! Geschichtsrevisionismus angreifen!
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