Auf dem Cadolzburger Kirchweihplatz, auf dem sonst der Zirkus Station macht, fand am Donnerstagabend ein Affentheater der militaristischen Art statt.
Am 30.7. gab es nicht nur in München ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr, auch im fränkischen Cadolzburg wurden 150 Rekruten der Heeresfliegerstaffel 269 öffentlich vereidigt. Doch auch in Cadolzburg lief die Veranstaltung nicht störungsfrei ab. Etwa ein Dutzend Aktivisten aus SDAJ, Antifa und DFG-VK gelang es sich unter die ca. 300 Angehörigen und geladenen Gäste zu mischen, um der Bundeswehr den Tag zu verderben.
Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der Cadolzburger Gemeinderat einstimmig das Vorhaben der Bundeswehr gebilligt. Bürgermeister Obst (CSU) rechnete nicht mit Störaktionen, sondern mit Zustimmung der Bevölkerung. Bereits vor Jahren wurde Antiislamismus und Terrorhystrie in Cadolzburg geschürt : Weil die Uranwerte im Trinkwasser zu hoch waren wurde im Gemeinderat ernsthaft über einen islamistischen, von al Kaida initiierten Terroranschlag spekuliert. Auch das Vorhaben der Bundeswehr nach dem Gelöbnis in die Cadolzburger Burgruine zu marschieren, stieß nicht auf Widerspruch. Die Burg ist heute noch eine Ruine, da sich am Ende des 2. Weltkriegs eine Handvoll Wehrmachtssoldaten dort verschanzt hatte, um die US-Armee aufzuhalten. Ein Vorhaben, dass mit der völligen Zerstörung der Burg endete. Doch anstatt aus der eigenen Geschichte zu lernen, marschierten die Politiker von Grün bis Braun bei der Bundeswehr mit in die Vergangenheit. Einzig der katholische Pfarrer drückte seine Missbilligung durch ein über den ganzen Tag verteiltes Glockengeläute aus.
Nachdem die Rekruten auf dem „Höhbuck“ aufmarschiert waren, und noch bevor die ersten 2 schon wieder umkippten, entrollten einige SDAJler ein Transpi mit der Aufschrift „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ und starteten ein Pfeifkonzert. Sofort gingen Feldjäger auf diese los und drängten sie an den Rand des Festplatzes. Währendessen fing auch schon eine weitere Gruppe von KriegsgegnerInnen an, laut ihren Unmut über Rolle und Funktion der imperialistischen Armee zu äußern.. Diese wurde dann vom USK abgedrängt. So ging es weiter bis alle Cadolzburger vom Cadolzburger „Höhbuck“ entfernt waren, so dass die Rother Soldaten und ihre Fans dort unter sich sein konnten. Die KriegsgegnerInnen hatten es aber geschafft, der getragen-feierlichen-Stimmung, die so ein Gelöbnis ausmacht, einen Dämpfer zu verpassen und blieben mit ihrem Transpi in Sichtkontakt und direkt an der Marschroute des Anachronistischen Zuges. Dies gefiel wiederum dem MAD (Militärischer Abschirmdienst) gar nicht und er erbat die Personalien der Demonstranten von der Polizei. Da der Einsatzleiter während seiner Ausbildung nicht nur geschlafen hatte und wohl auch kein CSU-Mitglied ist erinnerte er sich an Wörter wie „Datenschutz“ und „Amtsanmaßung“ und untersagte der angefragten Beamtin in diesem Moment die Daten an den Bundeswehrgeheimdienst herauszugeben.
Als sich die Heeresflieger in Bewegung setzten mussten sie an den Demonstranten vorbei, die zwar für eine effektive Blockade leider zu wenige waren, ihre Ablehnung gegenüber der Bundeswehr und ihren verfassungswidrigen Einsätzen aber vehement und lautstark zum Ausdruck brachten. Bevor der skuriele Zug in die Burg kam, wurde er noch laut mit antimilitaristischen Liedern wie „Weit in der Campagne“ beschallt . Die Generale in der ersten Reihe rangen um Fassung, viele Rekruten blickten sich verwirrt um, und ein paar Angehörige hoben sogar den Daumen hoch.
Nachdem die Soldaten vorbeimarschiert waren kehrte wieder Friedhofsruhe in Cadolzburg ein. Mit Ausnahme eines knappen Dutzend Jugendlicher, die ihre gelungene Störaktion feierten.
Der Tag zeigte, dass Widerstand auch im kleinen möglich ist und sogar dort auftaucht wo der Imperialismus am wenigsten damit rechnet.