
Am 9./10. Juni 2010 fanden in Nürnberg Aktionen im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks statt.
Am Mittwoch, den 9. Juni versammelten sich bei herrlichem Wetter an die 500 Menschen um 11.30 Uhr am Hallplatz. Das unverhältnismäßige Auftreten der Polizei zog sich von Anfang an wie ein roter Faden durch die gutgelaunten und vielseitigen Aktionen dieses Tages. Bereits das Verlassen der Schulen wurde vielen SchülerInnen durch Polizeipräsenz erschwert. Auf dem Weg zum Hallplatz kontrollierten uniformierte Polizisten in voller Montur SechstklässlerInnen und nahmen ihnen bei gefühlten 30 Grad ihre Getränkeflaschen ab mit dem Verweis, diese könnten als Wurfgeschosse mißbraucht werden. Diese und ähnliche Repressionsmaßnahmen auch von seiten der Schulleitungen verknüpft mit alltagstauglichen Vorschlägen, wie man sich dagegen wehren kann, thematisierte auch die "Kontra"-extra der SDAJ Bayern zur Bildungspolitik, die auf der Demo verteilt und mit großem Zuspruch angenommen wurde. Ebensfals thematisiert wurde darin die massive Einflussnahme der Bundeswehr an Schulen. Erst einen Tag vor dem Bildungsstreik wurde ein offizieller Kooperationsvertrag zwischen der Bundeswehr und dem Kultusministerium verabschiedet. Auf diese Schweinerei wurde während der Demonstration durch die belebte Nürnberger Innenstadt mehrfach hingewiesen. Die Streikdemonstration wuchs im Laufe der Route bis auf über 1000 Streikende an. Der Zuspruch vieler Passanten war sehr positiv und reichte von zustimmendem Kopfnicken, über stehenden Applaus bis hin zur spontanen Einreihung in die Demo. Parallel zu Nürnberg, hatte auch die Demo in Erlangen ihren Auftakt. Hier nahmen über 500 junge Menschen an den Bildungsprotesten teil, die anschließend das Erlanger Schloss über vier Stunden in Beschlag hielten.
In Nürnberg gab es eine Soli-Bekundung von drei Aktivisten, die vom Dach des AstA Gebäudes der Georg Simon Ohm Hochschule ein Transparent entrollten. Um der Aktion zusätzlich einen kämpferischen Ausdruck zu verleihen, brannten die Aktivisten Bengalos ab. Das nahm die Polizei unmittelbar zum Anlass das Gebäude zu stürmen und die Aktivisten festzunehmen. TeilnehmerInnen der Demonstration, welche die Festnahmen nicht einfach hinnehmen wollten und den Polizisten in das Gebäude folgten, sollten teils unter Einsatz massiver Gewalt davon abgehalten werden, sich mit den Festgenommenen solidarisch zu zeigen. Einem Mitglied des AstA wurde im Rahmen des skandalösen Einsatzes sogar ein Platzverweis für sein eigenes Büro erteilt. Nachdem sich die Polizei vom Gebäude zurück gezogen hatte, zog die Demo weiter in Richtung Hallplatz. Spontan entschloss sich die Demo den Endpunkt der Demonstration auf den Jakobsplatz vor der Polizeiwache zu verlegen, um den Druck auf die Polizei zu erhöhen und um die Freilassung der Gefangenen zu beschleunigen. Um 15.30 Uhr wurde dann auch der letzte Inhaftierte von den Wartenden in Empfang genommen.
Einen gelungenen abschluss fand der Tag im Bildungsstreik-Camp am Hallplatz, das auch den Donnerstag über politisches programm bot. Um 18.00 Uhr startete von dort eine weitere Demo, deren Ziel es war Eltern und Azubis mit in die Bildungsproteste einzubinden. An der Demonstration, die vom Gewerbemuseumsplatz durch die Innenstadt zum Weißen Turm zog, beteiligten sich rund 150 TeilnehmerInnen. Mit den zweitägigen Aktionen wurde getreu dem Motto „Versprechen allein reichen uns nicht!“ gezeigt, dass die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Bildungssystem nach wie vor besteht und die Proteste noch lange nicht am Ende sind.
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