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17. UZ-Pressefest - Volksfest der DKP
 
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Bereits Tage vor der eigentlichen Demonstration löste das Wort „Dresden“ in der Metropolregion Nürnberg eine fiebrige Geschäftigkeit und beinahe so etwas wie Vorfreude aus. Konzepte wurden besprochen, Szenarien durchgespielt, Busse bestellt, Karten verkauft, noch mehr Karten verkauft und noch mehr Busse bestellt. Von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde wuchs die Anzahl derjenigen, die unbedingt dabei sein wollten, wenn es hieß die Nazis erneut zu blockieren. Auch wenn die Abfahrt morgens um 4.00 Uhr dafür sorgte, dass manche Teilnehmer es vorzogen, gar nicht erst zu schlafen, war die Stimmung von Anfang an gut und gelöst, aber deshalb keinen Deut weniger tatkräftig und entschlossen. Den ersten Höhepunkt des Tages zog wenige Kilometer vor Dresden die Nachricht, dass die Polizei die Autobahnabfahrten scharf kontrollierte, nach sich. Daraufhin hielt der erfreulich lange Buskonvoi aus dem Süden an der nächsten Autobahnabfahrt und die mehreren hundert Insassen machten sich zu Fuß auf den Weg ins 12 Kilometer entfernt liegende Dresdner Stadtzentrum. Während sich dieser spontane Demonstrationszug die Landstraße mit Kurs auf die Dresdner Vororte entlang bewegte war das Ende des Zuges nicht auszumachen, dafür aber jede Menge Menschen, die entschlossen dem geplanten Kundgebungsort der Nazis entgegenstrebten. Sehr bald wurden wir von einem stetig über uns kreisenden Hubschrauber der Bundespolizei begleitet, der im Tiefflug ratternd seine Runden zog und bald Verstärkung von 5 weiteren Hubschraubern bekam. Davon vielmehr bestärkt als eingeschüchtert erreichte der Demozug kurz vor 11 Uhr das Dresdner Univiertel. Die mehrmals geäußerte Ankündigung, die Nazikundgebung blockieren zu wollen, rief mehrere Einsatzbeamte der Sondereingreiftruppen verschiedener Bundesländer auf den Plan,, die zunächst mit aller Härte darauf Bedacht waren, die Nazianmeldungen reibungslos ablaufen zu lassen. Ohne Ansicht der Person wurden friedlich dahinziehende Demonstranten mit Pfefferspray angriffen, mit Polizeiknüppeln selbst auf Flüchtende eingedroschen und zu guter letzt auch noch der Wasserwerfer aufgefahren. Einige Querstraßen von der geplanten Nazikundgebung am Nürnberger Platz entfernt, trieb die Polizei die Nazigegner mit Gewalt vor sich her. Allerdings bot sich bereits zu solche einem frühen Stadium das Bild einer mit der Situation überforderten Staatsmacht. Sie waren schlicht der ungeheuren Überzahl der immer weiter in die „abgeriegelte Zone“ südlich der Elbe einsickernden , gut koordinierten Gegendemonstranten nicht gewachsen. Wo auch immer Menschen mit Knüppeln, Pfefferspray und Körpereinsatz zur Aufgabe ihrer friedlichen Blockade genötigt wurden, wurde eine Straßenecke weiter die nächste Blockade errichtet. Einige größere Blockaden entlang der Reichenbachstraße hielten Angriffen der Polizei die ganze Zeit hindurch stand und wurden so zum Ort des Austausches, der Aktion, Kommunikation und des Widerstandes. Immer wieder solidarisierten sich spontan Dresdnerinnen und Dresdner, Anwohner und Gewerbetreibende, die sich erschüttert über das Verhalten der Polizei gegenüber den Gegendemonstranten zeigten, und ihre Abscheu gegen die Nazis äußerten. Die Stimmung der SDAJ Nürnberg schwankte den Tag hindurch zwischen Begeisterung über die sich abzeichnende Niederlage der Nazis einerseits, als eine Blockadenachricht nach der über den Lautsprecherwagen verlesen wurde und bald klar war, dass alle Ausweichrouten unpassierbar wurden, und Wut über das Vorgehen der Polizei andererseits, besonders nachdem eine Genossin trotz ihrem friedlichem Verhalten längere Zeit ärztlich versorgt werden musste. Doch auch sie zog am Ende des Tages eine positive Bilanz. Als gegen 17.00 Uhr endgültig feststand, dass die Nazis ihren Aufmarsch abblasen mussten und auch ihre 2 anderen Kundgebungen hinfällig waren, da war der Jubel so groß, dass selbst die mittlerweile sehr kalt gewordenen Hände, Füße, Nasen und Ohren nicht mehr länger störten. Einigkeit herrschte darüber, dass ein solches Ergebnis das bisschen Bibbern lohnt. Während sich einige Demonstranten nach Auflösung der Blockade in Richtung Stadtteil Dresden-Plauen bewegten, um den dort befindlichen Nazis die Stirn zu bieten, strebten andere in einem erneut mehr als hundert Menschen umfassenden Zug den Bussen zu, nicht ohne bei diesem Marsch durch die Dresdner Innenstadt deren Wahrzeichen wie den Zwinger oder die Elbterrassen gewürdigt zu haben. Die Heimfahrt stand ganz im Zeichen erster Erfahrungsberichte und erholsamer, entspannter Wärme. Der Tag in Dresden hat vielen Genossinnen und Genossen neue, mitunter einschneidende Erfahrungen beschert. Am direktesten waren dabei bestimmt jene mit Pfefferspray und den anderen Instrumentarien, welche die Polizei aufbot, um unseren legitimen Protest zu verhindern. Doch viel tiefgehender ist nach diesem Tag die Gewissheit, mit genügend Menschen und der entsprechenden Organisation wie auch Entschlossenheit das angestrebte Ziel, die erneute Blockade der Neonazis, erreicht zu haben. Dabei geht es nur vordergründig darum, dass die Nazis tatsächlich nicht marschiert sind. Viel wichtiger ist der Umstand, dass dieser legitime Protest von Zehntausenden stattfindet, obwohl bundesdeutsche Gerichte und ihre ausführenden Organe das genaue Gegenteil als legal erachten. Der Umstand, dass die Menschen in Dresden und der Republik entschieden: „wir wollen die Nazis hier nicht- und was die Gerichte dazu sagen, ist uns egal“, ist die eigentlich neue Qualität der Proteste. Wir erachten es, auch wegen der einnehmenden Herzlichkeit und Solidarität den ganzen Tag hindurch, als prägende Erfahrung, dabei gewesen zu sein.

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