
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend verurteilt die Anschläge in Norwegen vom 22.Juli aufs schärfste und drückt den Opfern sowie ihren Angehörigen ihre aufrichtige Anteilnahme aus. Gleichzeitig wenden wir uns gegen Stimmen,die ein solches Ereignis als „unerklärbar“oder „zusammenhangslos“ darstellen.
In einem Land, das sich an Kriegsmissionen der NATO in vornehmlich muslimisch geprägten Ländern (Afghanistan/Libyen) beteiligt, hat ein angeblich vereinzelter, irrer Ex-Soldat 1 ½ Stunden Zeit, auf einer Ferieninsel systematisch alles niederzumetzeln, was sich bewegt, ohne dass die Polizei in der Lage ist, dem ein Ende zu bereiten, weil im Land der Fjorde Boote fehlen, oder Hubschrauber, oder auch nur eine klare Kommunikationsstruktur. Ein angeblich frei schwebender Rechter schießt in dem für seine „offene“ Gesellschaft geschätzten Norwegen aus Hass gegen den Marxismus und den Islam sozialdemokratische Jugendliche über den Haufen und in Deutschland führt das bei den Unionsparteien zur Forderung nach Vorratsdatenspeicherung und die Gewerkschaft der Polizei, die sich stets schützend vor die berufsmäßigen Schläger in den eigenen Reihen stellt, ergeht sich in Überlegungen zum gleichrangigen „Outing“ und öffentlichem „an den Pranger
stellen“ aller „Extremisten“ egal welcher Coleur, im Internet. Selbst im Angesicht einer solchen Tat wie in Norwegen schrecken die rechts-konservativen Kräfte in Deutschland nicht davor zurück, den links,-/rechtsextremistischen Einheitsbrei munter weiter zu verrühren. Anstatt auch nur einen Augenblick selbstkritisch inne zu halten und zu überlegen, wo es am rechten Rand der CDU/CSU Übergänge und Grauzonen zu den ideologischen Versatzstücken gibt, die dem norwegischen Täter den inhaltlichen und gesellschaftlichen Nährboden bereitet haben, wird seitens der Union auf dem Leid der Menschen ein allzu durchschaubares, politisches Süppchen gekocht. Während dem unionsintern weit rechts stehenden Innenminister Sachsens, Markus Ulbig, ein Datenskandal ins Haus steht, weil er anfang des Jahres persönliche Daten von 40.700 vermeintlichen oder realen Gegen-Rechts-Demonstranten in Dresden hat sammeln lassen, nutzen seine Parteifreunde das
scheußliche Attentat eines rechten Gewalttäters, um mit der Forderung nach Wiederbelebung der Vorratsdatenspeicherung eine erhebliche Einschränkung des Datenschutzes voran zutreiben. Dreister und geheuchelter geht es kaum!
Rechte (Atten-)Täter fielen und fallen nicht vom Himmel, sondern werden sozialisiert. Am Beispiel Norwegens sozialisiert in einer „offenen“ Gesellschaft, mit 20 % Stimmanteil für die rassistische Fortschritts-Partei, und einem Parlamentsbeschluss für die Kriegseinsätze gegen muslimisch geprägte Staaten.Deutschland hat einen Innenminister, der mehrfach und öffentlich über Islamisten gesagt hat: „Wer den Tod will, kann ihn haben.“ Hat auch Norwegen Minister, deren Aussagen den Schluss zulassen, dass Menschenleben per se nicht viel wert sind, vor allem solange es die „Bösen“trifft?
Gab und gibt es auch in Norwegen Politiker und Medien wie bei uns, die durch die permanente Gleichsetzung von „Links“ und „Rechts“ Taten wie die von Oslo auf schreckliche Art und Weise relativieren? Welt online schrieb noch am 29.Mai diesen Jahres über einen als „linken Anschlag“ titulierten Kabelbrand bei der S-Bahn in Berlin: “ Die Konsequenz auch hier: Angestellte, die ihre Termine versäumten, Kinder, die ihren Unterricht verpassten, Senioren, die den Arzttermin aufgaben. Den aktuellen Linksradikalen stört das nicht: Er setzt auf die Strategie des Rechtsterrorismus in Gestalt eines Fanals, das möglichst viel Unheil bei möglichst vielen Menschen anrichten soll.“ Unabhängig davon wieviele Kinder ihren Unterricht und Rentner ihren Arzttermin bisher aufgrund der bundesweit bekannten Misswirtschaft der Berliner S-Bahn verpasst haben, dass also ist das linke Gegenstück zum „Rechtsterrorismus“? Eine schlimmere Relativierung des
Todes von über 70 dahingemetzelten Jugendlichen ist kaum vorstellbar. Oder doch? Bundesinnenminister Friedrich bemerkte zu dem von Hass auf den Marxismus und den Islam getriebenen rechten Attentäter so prophylaktisch wie pauschal: Eine rechtsextremistisch motivierte Tat nach norwegischem Muster lasse sich auch in Deutschland nicht ausschließen. Dies gelte aber gleichfalls für die linksextremistische oder die islamistische Szene.
Linke Kräfte treten in Deutschland und weltweit offen und offensiv für das ein, was der rechte Attentäter mit mörderischem Abscheu bedacht hat: für die Gleichstellung und Würde aller Menschen, für soziale Gerechtigkeit, Recht auf Asyl, Antimilitarismus und internationale Solidarität. Dass sie dafür von jenen gesellschaftlichen Kräften, Parteien, Medien und Institutionen, deren Flanke nach rechts weit offen ist, als „linksextremistisch“ stigmatisiert und mit Faschisten gleichgesetzt werden, ist heute für diese Akteure in Politik, „Wissenschaft“, Geheimdienst und Militär so beschämend und zugleich entlarvend wie schon lange nicht mehr.
-Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
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